Logo Bundesvereinigung Maskenbild e.V

Berufsbild / Qualifikation

Berufsbild: Maskenbildner/in

Die Maskenbildnerei ist ein vorwiegend künstlerischer Beruf mit handwerklicher Prägung. Er wird in Theater / Oper, Film und Fernsehen ausgeübt. Gerade im Bereich Film/Fernsehen sind in den letzten 15 Jahren durch die Digitalisierung der Bilder und die immer höhere Auflösung die Qualitätsansprüche an das Maskenbild gewachsen. Daraus hat sich im Besonderen eine Spezialisierung entwickelt, die wir bisher nur aus Amerika kannten: der Special Make-up Artist / das Spezialeffekte-Maskenbild.

Das Maskenbild ist sowohl in Theater/Oper als auch beim Film und Fernsehen das einzige Gewerk, bei dem für Entwurf, Herstellung und Applikation in aller Regel Personalunion besteht.

Das Arbeitsgebiet umfasst alle manuellen und künstlerischen Tätigkeiten der Maskengestaltung.

Neben Entwurfsskizzen, -zeichnungen und -modellen, Make-up und Frisuren schließt die Tätigkeit der Maskenbildnerin sämtliche plastische Arbeiten zur Veränderung und Gestaltung von Gesichtern und Körpern sowie die Herstellung von Masken, Perücken, Bärten oder Haarteilen ein, die nach selbst erstellten Skizzen und Modellen gemäß Theaterstück oder Drehbuchvorgaben in Absprache mit der Regie und den Schauspielerinnen gefertigt werden.

Außerdem sind Maskenbildnerinnen für die Kalkulation des Projektes, die auch die Komparserie eines Films berücksichtigt, sowie das Reinigen, Aufarbeiten und Instandhalten der Perücken, Haarteile, Bärte, Masken und der Arbeitsgeräte zuständig.

Voraussetzungen/ Qualifikation

Eine abgeschlossene Friseurausbildung ist seit 2003 nach dem Berufsausbildungsgesetz keine Voraussetzung mehr, um den Beruf der Maskenbildnerin zu erlernen, da es seitdem die staatlich geregelte dreijährige duale Erstausbildung mit IHK-Abschluss gibt. Allerdings besteht die berufliche Praxis mit einem Anteil von etwa 80% in der Arbeit mit dem Werkstoff Haar. Nicht zuletzt übt man sich in einer Friseurausbildung im Umgang mit Menschen. Daher ist eine abgeschlossene Friseurausbildung weiterhin sehr empfehlenswert als Einstieg in den Beruf der Maskenbildnerin.

Voraussetzungen

  • Einfühlungsvermögen im Umgang mit Mitarbeiterinnen und Schauspielerinnen, Geduld, Ausdauer, Belastbarkeit, Flexibilität und Improvisationsvermögen sowie umfangreiches, solides Allgemeinwissen
  • stabile Gesundheit
  •  Sinn und Gefühl für Form- und Farbgestaltung, Farbempfinden sowie künstlerische und schöpferische Begabung
  •  Fantasie

Qualifikation

Tätigkeiten Film/ Fernsehen

  • Lesen und Bearbeiten des Drehbuchs sowie Erstellen der Auszüge nach Drehplan
  • Recherchieren von historischen und aktuellen Vorlagen (Haartrachten, Verletzungen, Unfälle und deren Folgen, Krankheits- und Genesungsverläufe)
  • Erstellen eines maskenbildnerischen Konzepts (Make-up – und Farbkonzept, Frisurenkonzept) in Rücksprache mit der Regie.
  • Aufzeigen der technischen und gestalterischen Möglichkeiten
  • Vorschläge zur Umsetzung des Regiekonzepts
  • Planung und Kalkulation nach vorliegenden Besetzungs- und Komparsenlisten und Drehplan sowie Ermittlung des Arbeitsaufwands
  • Realisierbarkeit von maskenbildnerischen Konzepten im Gespräch mit den Schauspielerinnen klären
  • evtl. Anfertigung von Gips-, Alginat- oder Silikonabdrücken für die Herstellung von Glatzen, Narben, Wunden sowie Gesichtsplastiken aus Gelatine, Silikon, Bondo oder anderen geeigneten Materialien zur Veränderung, Alterung und Karikierung einer Schauspielerin und Folienabdrücke für die Perücken- und Bartherstellung
  • Materialdisposition und Einkauf von Schmink-, Verbrauchs-, Masken-, und Haarproduktmaterial für Schauspieler und Komparserie
  • Treffen der Schauspielerinnen zur Anprobe von Perücken, Durchführung von Make-up Tests und Vorbesprechung mit der Regisseurin und der Kostümbildnerin
  • Umsetzung des maskenbildnerischen Konzepts an den Schauspielerinnen
  • Betreuen der Schauspielerinnen und Komparserie im Drehverlauf
  • Einlegen und Frisieren von Eigenhaar, Aufsetzen von Perücken, Ankleben von Bärten, Aufkleben von Gelatine-, Silikonteilen u. Ähnlichem. Schminken von Wunden und Narben
  • Genaues Arbeiten nach Anschluss, Dokumentieren und Fotografieren der Arbeiten
  • Physische und psychische Betreuung (z.B. Hautpflege) der Schauspielerinnen
  • Pflege, Reinigung und Wartung der Arbeitsmittel (z.B. Perücken, Werkzeuge und Arbeitsgeräte)
  • Abwicklung einer Produktion
  • Reinigung und Rücklieferung von geliehenen Perücken, Haarteilen und Arbeitsgeräten
  • Reinigen und Ordnen der Arbeitsgeräte
  • Aussortieren von benutztem Schminkmaterial zur Reduzierung der Infektionsgefahr
  • Erstellen einer Rechnung nach Ermittlung des Materialverbrauchs

Tätigkeit Theater/Oper

  • Konzeptionsgespräch mit Kostüm und Regie
  • Realisierbarkeit und Kalkulation der vorgegebenen Idee
  • Umsetzung des Maskenbildes
  • Knüpfen und Tressieren von Haaren zum Herstellen von Perücken, Haarteilen, Toupets und Bärten
  • Färben, Schneiden und Frisieren von Haarersatz und Eigenhaar
  • Abdrucknehmen von Schauspielerinnen
  • Formenbau aus Gips, Silikon und Polyesterharz
  • Herstellung von Kunstoff- und Schaumgummiglatzen
  • Herstellung von Masken aus verschiedenen Materialien wie Leder, Textilien, Holz, Papier etc.
  • Herstellung von Spezialeffekten z.B. Verletzungen, Narben, Verwachsungen
  • Das Szenario studieren, genaue Berechnung der Kostüm- und Maskenwechsel
  • Durchführung der Schmink- und Frisurenproben. Evtl. die schnellen Umzüge proben
  • Erste Hauptprobe: Ist die erste Zusammenarbeit mit Kostüm, Licht, Bühnenbild und den Schauspielern
  • Zweite Hauptprobe: Korrigieren und Verbessern des Maskenbildes
  • Generalprobe
  • Premiere
  • Betreuung der laufenden Vorstellung
  • Reinigen sämtlicher von den Schaustellern getragenen Perücken, Bärten und Marken
  • Frisieren der Perücken, Haarteile und Bärte
  • Reinigung der Arbeitswerkzeuge

Spezialisierungsmöglichkeiten

SFX Maskenbild / Special Make-up Effekte

Diese Gruppe von Maskenbildnerinnen arbeitet nur im plastischen darstellerischen Bereich bis hin zum mehrteiligen Formenbau (Abgüsse von modellierten Dummys, ganzen Körperteilen, Köpfen, für Alterungsmasken in mehreren Teilen, Wunden, Verbrennungen, Schwangerschaftsbäuchen usw.)

Sie haben sich ganz auf die Anfertigung von solchen Arbeiten spezialisiert. Durch die hohen Ansprüche, die heute in der Filmbranche an Maskenbildnerinnen gestellt werden, sind sie nicht mehr wegzudenken.
Die Grundqualifikation liegt aber in jedem Fall zunächst beim Maskenbild/IHK, Bachelor oder Dipl. Designer.

Qualifikation und Tätigkeiten im SFX Maskenbild

  • Kenntnis der verschiedenden Materialien (Silikone, Schäume, Polyesterharze usw.)
  • Entwürfe, Skizzen und Modelle für entsprechende Aufgaben die sich aus dem Drehbuch ergeben, in Absprache mit der Regie
  • Anfertigungen von Gips- und Silikonabdrücken
  • Modellieren
  • Formenbau aus verschiedenen Materialien
  • Schminken von Teilen, Haare stechen für Behaarungen jeglicher Art
  • Erstellung von Tattoos und Wundtattoos, (Hämatome u.Ä.) im Digitalbereich zum Ausdrucken auf Transferpapier
  • Erstellung von Silikon-Negativformen zur Reproduktion von Wunden, Narben aus Gelatine und Bondmaterial
  • Anfertigung von falschem Zahnersatz (spezielle Qualifizierung)
  • Spezialherstellung von Animatronics (elektronisch bewegliche Teile)

Abgrenzung

Der Beruf der Visagistin und der Maskenbildnerin sind nicht gleichzusetzen.
Die Visagistenausbildung ist wesentlich kürzer, weniger umfassend und nicht staatlich anerkannt. Entsprechend grenzt sich auch das Tätigkeitsfeld von Visagistinnen im Vergleich zu Maskenbildnerinnen ein.

Der Beruf des Visagisten bezieht sich eher auf das dekorative Make-up und das Styling von modischen Frisuren, wohingegen eine Maskenbildnerin ein wesentlich umfangreicheres Fachwissen vorweisen muss und eine dreijährige Ausbildung braucht, um zumindest die Grundlagen dieses Berufs zu erfassen.

Maskenbildnerinnen arbeiten sowohl im Angestelltenverhältnis, fest angestellt oder auf Produktionsdauer beschäftigt, als auch selbstständig. Sie sind im Abgrenzungskatalog der Künstlersozialkasse als Berechtigte gelistet.

Zugangswege zum Beruf

  • Dreijährige duale Ausbildung am Theater und epochaler Unterricht in der Berufsschule mit
    IHK-Abschluss
  • Dreijährige Vollzeitschule, privat finanziert, BaFöG-fähig, IHK-Abschluss
    aktuell drei Angebote in Deutschland
  • Dipl. Designerin FH Maskenbild, achtsemestriges Studium an der HfBK Dresden
  • BA Maskenbild, sechssemestriges Studium an der August Everding Theaterakademie, München

Weiterführende Informationen